Kultur- und Kreativwirtschaft in Hessen

Wacker Fabrik e.V. Mühltal

Von Privateigentümern initiierte Verknüpfung von Wohnen, Gewerbe, Kunst und Kultur

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Die Wacker Fabrik bietet Platz zum Wohnen und Arbeiten und ist ein Ort für Kreativität, Kunst und Kultur in der Region. Die Mieter stammen überwiegend aus den Bereichen Werbung, Video, Fotografie, Fotoart, Design, Musikmarketing, Booking, Künstler- und Veranstaltungsmanagement, Schmuck und Malerei sowie Architektur und Planung, aber auch aus der IT-Branche. Die Unternehmen agieren teilweise weltweit. Dienstleister aus Bereichen, die „das Leben und Arbeiten vor Ort angenehm gestalten“, ergänzen die Nutzerstruktur. Unter anderem sind dies ein Restaurant, ein Fitnessstudio mit Sauna, ein Friseursalon, eine Rechtsanwaltskanzlei, ein Steuerberater, eine Ärztin, ein Heilpraktiker und eine Astrologin. Das Areal ähnelt einem „modernen Dorf“, das sich in ländlicher, idyllischer Lage befindet und gleichzeitig Grossstadtnähe aufweist. Die Verknüpfung von Gewerbe, Kreativwirtschaft, Wohnen sowie Kunst und Kultur folgt dem Motto „Alles für alle Fälle – alles an einem Ort“. Durch die Ansiedlung von kreativen und teilweise artverwandten Branchen entsteht für die Nutzer ein Wettbewerbsvorteil. Gegenseitige Inspiration und Kooperation schaffen ein angenehmes Arbeitsumfeld und eine höhere Lebens- und Wohnqualität. Neben Gewerbe und Wohnen wird das vielfältige Raumangebot auf dem Gelände der Wackerfabrik auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt. So soll die Kultur vor Ort und in der Region durch Theater-, Tanz- und Konzertveranstaltungen, durch Ausstellungen und andere künstlerische Projekte gefördert werden. Hierfür steht ein multifunktionaler Veranstaltungsraum zur Verfügung, der von den Arbeitsgruppen des Kulturvereins Wacker Fabrik e.V. (Wacker Bühne, Wacker Kunst und Club Doerr) bespielt wird. Diese veranstalten darüber hinaus Festivals, Workshops, Symposien und Austauschprojekte sowie Events.

Viele der Künstler und Kulturschaffenden, die auf dem Gelände arbeiten und teilweise auch wohnen, präsentieren sich in der Wacker Galerie. Die acht Meter hohen Räume bieten im Erdgeschoss 90 m2 Fläche mit 99 Sitzplätzen samt einer Galerie von 30 m2, auf der eine Bar untergebracht ist. Seit 1995 finden alljährlich im Herbst an zwei Wochenenden die Wacker Theatertage statt. Tanz, Performance, Schauspiel, Objekt- und Kindertheater der freien Szene werden aufgeführt. Seit 2001 wird neben der Wacker Galerie die vom freien Theater Transit genutzte Werkstatt als eigene Produktionsstätte mit einbezogen.

Hintergrund

Die ehemalige Produktionsanlage der Firma Wacker & Doerr liegt fünf Kilometer von Darmstadt entfernt zwischen der Gemeinde Mühltal und der Stadt Ober-Ramstadt. Eingebettet in die landschaftlich ansprechende Odenwaldrandlage ist die Anlage auch durch eine günstige Verkehrsanbindung in das Rhein-Main-Gebiet gekennzeichnet. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden auf 20.000 m2 Grundfläche neun Gebäude, die ca. 9.000 m2 Nutzfläche bieten. In den von 1902 bis 1920 erbauten Backsteingebäuden produzierten bis zu 750 Arbeiter der Firma Wacker & Doerr Elektroinstallationen, zunächst aus Hartgummi, dann aus Bakelit und später Spritzgusszubehörteile für die Autoelektronik, die weltweit exportiert wurden. 1994 wurde die Produktion in eine moderne Fertigungsstätte verlagert und der Betrieb auf dem Wacker Gelände eingestellt. Die Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz. Aufgrund ihres Interesses für Kunst und Kultur engagierten sich die heutigen Eigentümer der Wacker Fabrik für die Ansiedlung und den Zusammenschluss von Kunstschaffenden und Kunstinteressierten vor Ort. Zunächst gründeten die späteren Eigentümer Ingrid und Ralf Tolski sowie Rainer Reese (später Reese & Tolski GbR) im Sommer 1994 die Projektgemeinschaft Kultur und Kommunikation. Zweck der Gründung war der Kauf des Geländes. 1995 begannen die ersten
Sanierungs- und Umgestaltungsmassnahmen des ehemaligen Verwaltungsbaus, des Kantinengebäudes, des Westbaus, des Ostbaus und der Shedhalle. Mit Hilfe der neu gegründeten Gruppe Wacker Design, den beauftragten Architekten sowie der Unteren Denkmalschutzbehörde Darmstadt-Dieburg wurden die denkmalgeschützten Gebäude saniert. Im Jahr 1996 bekamen die neuen Eigentümer den Denkmalschutzpreis des Landkreises Darmstadt-Dieburg und 1997 den hessischen Denkmalpreis verliehen. Der zweite und letzte Sanierungsabschnitt folgte Mitte 2000 im ehemaligen Kesselhaus und der sogenannten Zeppelinhalle sowie der kleinen Shedhalle. Zur gleichen Zeit wurden als Begrenzung des Areals im Norden und Osten 17 Reihenhäuser durch einen externen Bauträger erstellt. 1995 wurde der gemeinnützige Kulturverein Wacker Fabrik e.V. gegründet. Der Verein ist in den Bereichen Produktion, Vermittlung und Vernetzung zeitgenössischer Kunstformen tätig. Dabei wird mit in- und ausländischen Künstlern und Institutionen kooperiert. Mittlerweile sind die verschiedenen Projekte in den drei Kerngruppen Wacker Bühne, Wacker Kunst und Club Doerr eigenständig tätig.

Nutzung

Die historischen Gebäude beinhalten ebenfalls 20 unterschiedliche Wohneinheiten vom möblierten Zimmer bis hin zu Loftwohnungen mit angrenzendem Nutz- und Ziergarten zur Modau-Aue sowie Penthousewohnungen mit Dachterrasse. Derzeit leben 38 Personen in den Gebäuden. Die Unternehmen aus der Kreativ- und IT-Branche befinden sich in den Backsteingebäuden, Büro- und Praxisräume in den ehemaligen Verwaltungsgebäuden. Die frühere Werkskantine beherbergt das Restaurant. Neun Künstler-Ateliers und das Fitnessstudio sind in einem weiteren Gebäude untergebracht. Insgesamt gibt es 30 Gewerbeeinheiten, die von 30 qm großen Ateliers bis hin zu 420 qm großen Büro-Lofts reichen.

Finanzierung

Der Kulturverein Wacker Fabrik e.V. finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge. Mieteinnahmen der Gewerbe- und Wohneinheiten sowie Einnahmen aus der tages- und wochenweise Vermietung der Wacker Galerie für Firmen-Präsentationen, Events, Filmshootings etc. sind die wirtschaftliche Grundlage des Gesamtbetriebs.

Eigentümer/Trägerschaft/Organisationsform

Das Gelände befindet sich in Privateigentum. Die Koordination der Vermietung der Gewerbe- und Wohnräume und der Kulturförderung vor Ort obliegt dem Verwaltungsbüro der Eigentümer Reese und Tolski GbR.

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